Wir holen uns die Stadt zurück

Wir wollen die Stadt zurück
In den letzten Jahren und Jahrzehnten ist der Druck auf die Menschen in dieser Gesellschaft immer größer geworden. Mehr und mehr Lebensbereiche werden den Prinzipien der ökonomischen Verwertbarkeit unterworfen. Diese Entwicklung macht auch vor der Stadt nicht halt. Einstmals öffentliche Räume werden privatisiert, kameraüberwacht und auf ständigen Konsum hin orientiert. So werden
etwa öffentliche Sitzbänke durch private Café-Tische ersetzt, Innenstädte durch glänzende Fassaden auf Konsum getrimmt oder Obdachlose aus bestimmten "respektablen" Vierteln vertrieben.
Auch unsere Wohnungen werden dabei immer teurer. Denn Wohnungen sind im Kapitalismus nicht einfach die Orte, in denen wir leben. Sie dienen hier in erster Linie als Ware. Sie sind Investitionsobjekte, deren Verkauf und Vermietung für die Eigentümer*innen Profite und Renditen abwerfen sollen. Auf der Suche nach Investitionsmöglichkeiten mit den vielversprechendsten Profitraten
bietet sich für das Kapital in Zeiten kriselnder Warenproduktion der Gang in langfristige Anlagen an
- zum Beispiel in Immobilien. So wird Wohnraum zum Spekulationsobjekt. Dabei wird vor allem in bereits vorhandenen Wohnraum investiert. (Neu-)Bau und (Neu-)Vermietung unterliegen dem kapitalistischen Gesetz, immer möglichst viel Profit zu erwirtschaften. Damit sich solche Investitionen
auch lohnen, werden die Mieten folglich erhöht. Durch die teilweise enormen Preissteigerungen werden Menschen aus ihrem Zuhause vertrieben. Die Aspekte der Verteilungsgerechtigkeit der Wohnungsversorgung werden durch die ökonomische Verwertungslogik strikt den Marktmechanismen unterworfen und stehen so den sozialen Versorgungsprinzipien entgegen. Der Preis für neuvermietete
Wohnungen ist im Durchschnitt bundesweit in den letzten zehn Jahren um über 10 Prozent gestiegen - während die (Real-)Löhne bestenfalls stagnieren. Die Tatsache, dass zugleich nach wie vor viele Wohnungen leer stehen, wirkt dabei wie blanker Hohn. Diese kapitalistische Dynamik wurde durch eine jahrzehntelange (Fehl-)Politik der De-Regulierung und Privatisierung zusätzlich befeuert.
So wurde beispielsweise sozialer Wohnungsbau weitgehend vernachlässigt. Die Folge: Bezahlbarer Wohnraum? Fehlanzeige!

Wir wollen unser Leben zurück!
Diese Entwicklung trifft alle, insbesondere aber Menschen mit geringem Einkommen, Arbeitslose und Migrant*innen. Menschen werden aus der Stadt und damit gleichzeitig noch stärker an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Die Belegung von Wohnräumen spiegelt damit die Eigentumsverhältnisse der Gesellschaft wider. Die mit dem Leben an der Peripherie verbundene Immobilität und Isolation schließt die Betroffenen noch stärker von den Möglichkeiten gesellschaftlicher Teilhabe
aus. Der Verdrängungsprozess in den Städten sorgt somit für eine weitere Vertiefung und Verfestigung der sozialen Spaltung der Gesellschaft. Dies betrifft auch Kinder und Jugendliche. Kinder, die umziehen müssen, weil sich ihre Eltern die Wohnung im angestammten Quartier nicht mehr leisten können. Kinder, die in ihren Schulen und Kindergärten nur noch auf solche Kinder treffen, die aus
ähnlichen sozialen Verhältnissen kommen wie sie selbst. Die Kids, deren Familien umziehen, werden so um ihre vertraute und angestammte Lebensumwelt gebracht. Vereinsamung und Probleme i neuen Viertel und der neuen Schule sind nicht selten die Folge. Zudem werden Kinder, die im nunmehr sozial einheitlichen Viertel leben, um die wichtige Erfahrung gebracht, soziale Vielfalt als Bereicherung
kennenzulernen. Gerade in Zeiten, in denen die Abwehr von Besserverdienenden gegenüber materiell Benachteiligten zunimmt, gilt es, diesem antidemokratischen Trend entgegenzutreten.


Mein Raum - Dein Raum - Freiraum!
Wir, die Sozialistische Jugend Deutschlands - Die Falken, sagen "Nein!" zu Ausgrenzung und Verwertung.
Wir wollen Wohnraum, der den Bedürfnissen der Menschengerecht wird- und nicht dem Profit dient. Wir wollen Wohnraum, der der Vielfalt der Lebensentwürfe entspricht und nicht allein dem bürgerlichen Ideal der Kleinfamilie. Wir wollen Wohnungen und Städte, die wir selbst gestalten. Wir wollen eine Stadt, in der wir Leben und Lachen, Spielen und Toben können. Kurzum: Wir wollen eine
Stadt, in der die Menschen im Mittelpunkt stehen. In der wir unsere Freiräume selbstbestimmt gestalten
- gemeinsam, demokratisch und solidarisch. Wir, die Falken, wissen, dass sich unsere grundsätzlichen Forderungen nach einem freien und selbstbestimmten Leben unter den Voraussetzungen der kapitalistischen Produktionsverhältnisse nicht verwirklichen lassen. Wir sind uns auch bewusst, dass sich der Kapitalismus nicht einfach durch eine andere Wohn- und Stadtraumpolitik überwinden lässt. Angesichts der teilweise dramatischen Wohnraumsituation und ständigen Verschlechterung
der Lage, bedarf es daher bereits kurzfristiger Maßnahmen zum Erhalt und vor allem dem Ausbau von bezahlbarem Wohnraum, insbesondere für einkommensschwache Familien. Ohne von unserem grundsätzlichen Ziel einer sozialistischen Zukunft abzurücken, aber um bereits innerhalb des kapitalistischen
Systems die Lebensverhältnisse der Menschen verbessern zu können, fordern wir:
- Die Demokratisierung der Wohnungsverwaltung
- Mitbestimmungs- und Selbstverwaltungsstrukturen im Wohnungsbereich
- Das Herauslösen der Wohnungsversorgung aus den Marktlogiken
- Den Verzicht auf Privatisierung und die damit verbundenen Finanzspekulationen auf öffentlichen Wohnraum
- Die Begrenzung explodierender Mietpreise
- Menschenwürdige Wohnungen und Nachbarschaften, sowie umfassende Zugangs- und Teilhabemöglichkeiten sollen ein Recht für alle und kein Privileg für Wenige sein
- Wohnraum muss als öffentliches und für alle gleichermaßen zugängliches Gut bezahlbar bleiben und fester Bestandteil der Daseinsfürsorge sein
- Wohnen als Menschenrecht auch im Grundgesetz verankern

Dafür gehen wir gemeinsam auf die Straße und erobern uns die Stadt zurück.
Paint it Red!